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Spezialausgabe Familiensysteme 2001
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Scheidungen
Regeln für die Patchwork-Familie
So kommen Kinder aus 1. Ehe zu ihrem Recht

Eine Scheidung ist immer furchtbar, für die beiden Partner und ganz besonders für die Kinder. Ein Kind will im Innersten seiner Seele, dass seine Eltern sich lieben und schätzen. Es kommt in einen seelischen Konflikt, wenn es sich zwischen seinen beiden Eltern entscheiden soll.


Überfordern Sie Ihre Kinder nicht
Bei manchen Scheidungen möchten die Partner dem Kind die Wahl überlassen, zu wem es geht. Damit wird es in eine schlimme Lage gebracht, denn entscheidet es sich für einen, ist der andere auf das Kind böse. Ein Kind hat ein Recht auf beide Eltern, wieder völlig unabhängig von deren moralischem „Wert". Ein Kind, das sich zwischen Vater und Mutter entscheiden muss (das kann auch in problematischen, nicht geschiedenen Ehen passieren), wird als Erwachsener häufig zu einem verunsicherten und entscheidungsschwachen Menschen.

Reden Sie nicht schlecht über Ihren Ex-Partner
Das ist einer der häufigsten Fehler von Alleinerziehenden und Wiederverheirateten mit Kindern: Sie sprechen - oft berechtigt und ohne böse Absicht - schlecht über den Elternteil des Kindes, der nicht mehr da ist. Das Kind aber besteht zu 50% aus Mama und 50% aus Papa. Macht die Mutter etwa den Vater schlecht, zieht das Kind unbewusst den Schluss: 50% von mir taugen nichts. Das führt zu einer inneren Selbstabwertung des Kindes. Oder es verbündet sich insgeheim mit dem abgewerteten Partner - und ist dann auf den anderen Elternteil böse.

Am besten ist es, Sie denken gut über Ihren geschiedenen Partner. Sagen Sie sich und dem Kind: „Er ist ein wundervoller Mensch, aber wir haben einfach überhaupt nicht zusammengepasst."


Der 2. Ehepartner bleibt auf Platz 2
Das ist ein harter Brocken z. B. für die 2. Frau: In der Ordnung des Familiensystems haben die Kinder des Mannes aus erster Ehe Vorrang vor ihr. Durch die Kinder ist die 1. Frau ja immer noch präsent. Das muss sie akzeptieren, so sehr sie es gerne ändern würde. Wenn sie diese Realität anerkennt, kann der Weg frei werden zu einer gereiften Partnerschaft. Das Gleiche gilt für einen Mann, der eine Frau mit Kindern heiratet.

Es kann nicht genug betont werden: „Vorrang" ist kein Werturteil, sondern die zeitliche Rangstellung im Empfinden der Familienmitglieder: Wer länger im Familiensystem ist, hat den Vorrang vor dem, der später kam.

Ordnung
Systemische Familientherapie sucht nach der guten Ordnung innerhalb einer Familie. Die ist erreicht, wenn keiner ausgeklammert ist oder missachtet wird. Die gute Ordnung ist der Rahmen für die Liebe und den Zusammenhalt der Familienmitglieder.

Wer zuerst da war, hat Vorrang
Wenn z. B. erwachsene Kinder für ihre alten Eltern sorgen, dürfen sie dabei nicht auf den Gedanken kommen, jetzt seien ihre alten Eltern ihre Kinder - auch wenn ihnen das so erscheinen mag. Auch Eltern, die versuchen, sich auf eine Ebene mit ihren Kindern zu stellen („Meine Tochter ist meine beste Freundin"), verletzen die Ordnung.

Wenn ein Kind von seinem Vater geschlagen wurde und später deswegen seinen Vater verachtet, bleibt es trotzdem sein Kind - auch wenn der Vater dumm und gewalttätig ist, das Kind jedoch klug und liebevoll. Die Lösung bei einer Familienaufstellung lautet dann, dass das Kind (innerlich) zum Vater sagt: „Ich bin nur dein Kind. Ich bin der Kleine und du bist der Große." Das ist für manche Menschen unendlich schwer oder gar unmöglich. Aber nur so kann die Ordnung wiederhergestellt werden.

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