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Was der Herr Geheimrat rät
8 einfache Ratschläge eines weisen Dichters – zum 250. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes
Rat Nr. 1: Wir müssen
nichts sein, aber alles werden wollen.
Kleben Sie nicht an einem erlernten
Beruf oder an einer Position. Goethe war promovierter Jurist, arbeitete
als Schriftsteller, Maler, Theaterregisseur, Minister für Finanzen,
Bergbau, Straßenbau und Armee, Kriegsberichterstatter, Mineralienforscher,
Naturwissenschaftler (entdeckte dabei den Zwischenkieferknochen) und Begründer
einer eigenen Farbenlehre.
Rat Nr. 2: Man sollte alle
Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen oder
ein treffliches Gemälde sehen.
Goethe verbrachte viel Zeit mit der
Betrachtung von Kunstwerken.
Schaffen Sie im Alltag Platz für Schönes, das Ihrer Seele gut tut. Richten Sie dafür feste Zeiten ein (vor dem Frühstück, beim Nachmittagstee, vor dem Schlafengehen), an denen Sie dieses wohltuende Goethe-Ritual pflegen.
Rat Nr. 3: Das Unzulängliche
ist produktiv.
Freunden Sie sich mit dem kreativen
Potential von Fehlern und Mängeln an. Vollkommenes bedeutete für
Goethe nur Stillstand und war nichts "Genialisches". Nur wo er auf Unzulängliches
stieß, hatte er das Gefühl, "mitschöpferisch" wirken und
kreativ gestalten zu können.
Rat Nr. 4: Wenn ich die
Meinung eines anderen anhören soll, muß sie positiv ausgesprochen
werden. Problematisches habe ich in mir selbst genug.
Goethe wußte, wie sehr es bei
Kritik auf die Wortwahl und den Tonfall ankommt. Freundlich formulierte
Kritik an seinen Werken nahm er begeistert auf. Von Schiller ließ
er sich immer wieder zu Änderungen animieren. Positives Denken war
für ihn eine "erzieherische Maßnahme", mit der er seine schwierigen
und problematischen Persönlichkeitsanteile weiterentwickeln wollte.
Rat Nr. 5:
Ich sehe mich gerne bei anderen Nationen um und
rate jedem, es auch zu tun.
Goethe bereiste zwar nur Frankreich, die Schweiz und Italien. Aber er
liebte den Austausch mit fremden Kulturen. Nationale Kleingeisterei war
ihm in der Literatur wie in der Politik verhaßt. Er demonstrierte
meisterlich, wie man in einer deutschen Kleinstadt leben und trotzdem
kosmopolitisch denken kann. Lassen Sie sich von seinem „West-Östlichen
Diwan“ inspirieren und nutzen Sie die Lage Deutschlands
zwischen den Kulturkreisen.
Rat Nr.6: Das Rauchen macht
dumm. Es macht unfähig zum Denken und Dichten.
Wollten Sie sich nicht schon längst
das Rauchen abgewöhnen? Goethe fand Rauchen "arg unhöflich und
impertinent ungesellig", weil es die Nichtraucher "entweder erstickt oder
vertreibt". PS: Hunde mochte er auch nicht.
Rat Nr. 7: Das Jahrhundert
ist vorgerückt; jeder einzelne aber fängt doch von vorne an.
Lassen Sie einige Projekte in Ihrem
Leben "sterben". Die Jahrhundertwende ist ein guter Zeitpunkt, um sich
von etwas zu trennen. Auch Goethe hat als 51jähriger einen Jahrhundert-Countdown
miterlebt. Er beendete mit dem alten Jahrhundert seine Mitarbeit an der
Zeitschrift Propyläen und schuf sich so Raum und Zeit, um mit
etwas Neuem von vorne anfangen zu können.
Rat Nr. 8: Wie es auch sei,
das Leben ist gut.
Goethe erlebte viele Schicksalschläge.
Seine Schwester starb sehr früh, 4 seiner 5 eigenen Kinder erreichten
nicht das Erwachsenenalter, sein einziger überlebender Sohn starb
mit 30 Jahren in Rom an einem Fieber. Auch künstlerisch erlebte er
lange Zeiten der "Dürre", als Beamter mußte er sich mit vielen
lästigen Dingen herumplagen und viele Niederlagen einstecken. Trotzdem
behielt er stets die Überzeugung, daß das Leben es gut mit ihm
meinte, und er freute sich an dem, was ihm täglich geschenkt wurde.
Einfacher geht’s fast nicht.
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