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Selbstmanagement
Sagen Sie "Nein" – ohne Skrupel!
So schützen Sie sich vor Überlastung
"Wir arbeiten uns zu Tode" – der Offenbacher Psychologe Werner Gross sieht die Belastungsgrenze in unserem Arbeitsleben schon fast als erreicht an. Der Druck steigt, in allen Berufen und allen Branchen. Angestellte fürchten um ihren Arbeitsplatz, Selbständige sorgen sich, Kunden zu verlieren.
Auch im zwischenmenschlichen Bereich steigt die Belastung. In der modernen Kleinfamilie konzentrieren sich die Erwartungen, die früher auf die gesamte Verwandtschaft verteilt waren, auf den einzelnen Partner.
Die Folge davon: Angestellte lassen sich zu viele Verpflichtungen aufhalsen, Selbständige nehmen zu viele Aufträge an. Aus Angst vor den Folgen eines "Nein" sagen sie lieber zähneknirschend "Ja".
Sie haben ein Recht auf Selbstsicherheit
Der Psychologieprofessor Manuel J. Smith
aus Los Angeles hat sich auf diese Problematik spezialisiert. Seine These:
Wenn Sie "Ja" sagen, obwohl Sie eigentlich "Nein" meinen, dann liegt das in erster Linie nicht an Ihnen, sondern daran, daß Sie von jemand anderem manipuliert werden.
Smiths Therapie: Steigern Sie Ihre Selbstbehauptung! Wenn Sie in eine Ja-Nein-Situation kommen, sprechen Sie innerlich folgenden Satz:
Ich habe ein Recht darauf, nicht von anderen manipuliert zu werden.
Nicht von Ihrem Chef, nicht von Ihren Kunden, nicht von Ihrem Partner, nicht von Ihren Verwandten, nicht von Ihrem besten Freund.
Der positive Gegenbegriff zum Manipuliertwerden ist Ihr Recht auf Selbstsicherheit – als Grundvoraussetzung für Ihre gesunde Beteiligung an menschlichen Beziehungen. Dieses Recht auf Selbstsicherheit läßt sich reduzieren auf 5 Punkte:
1. Sie haben das Recht, Ihre Gefühle
selbst zu beurteilen
Ihr Vorgesetzter sagt: "Besuchen Sie Herrn Brüller,
und überreden Sie ihn zur Kandidatur." Sie: "Das muß jemand
anders machen. Ich habe eine solche Abneigung gegen Herrn Brüller,
daß ich das nicht kann." Vorgesetzter: "Ach was! Das kriegen Sie
schon hin." Der Satz klingt aufmunternd, ist jedoch Manipulation: Er setzt
sich über Ihre Gefühle hinweg. Sie haben aber ein Recht auf Ihre
Gefühle und darauf, daß Sie von anderen Menschen geachtet werden.
Sagen Sie also: "Ich kriege das nicht hin. Schicken Sie jemand anders,
das ist besser für alle Beteiligten!"
2. Sie haben das Recht, Ihr Verhalten
nicht entschuldigen zu müssen
Verkäuferin: "Warum gefällt Ihnen der
Mantel nicht?" Sie: "Ich mag die Farbe nicht." Verkäuferin: "Diese
Farbe ist jetzt in Mode, und sie gefällt allen unseren Kunden." Lassen
Sie sich auf keine weitere Diskussion ein. Sobald Sie anfangen, Ihren Geschmack
zu begründen oder sich dafür zu entschuldigen, schwächen
Sie Ihren Selbstwert und ermöglichen es dem anderen, Sie zu manipulieren.
3. Wenn Sie die Probleme anderer Menschen
lösen sollen, haben Sie das Recht, diese Probleme zu beurteilen
Ihr Ehepartner: "Morgen holst du meine Tante vom
Flughafen ab." Sie: "Nein, das geht unmöglich. Ich tue schon soviel
für dich." Ehepartner: "Du machst immer nur, was dir gefällt.
Wenn dir unsere Ehe wirklich etwas bedeuten würde, dann würdest
du mehr für mich tun." Hier steht Urteil gegen Urteil. Wenn Sie in
diesem Beispiel "Ja" sagen und damit nicht mehr zu Ihrem eigenen Urteil
stehen, gerät die Beziehung aus dem Gleichgewicht, und der andere
kann Sie bis zur Schmerzgrenze manipulieren.
Eine befriedigende Lösung kann es nur geben,
wenn die Urteile gegeneinander abgewogen werden und die Partner zu einem
Kompromiß kommen.
4. Sie haben das Recht, Fehler zu machen
Ihr Auftraggeber: "Sie müssen übers Wochenende
die Kundenauswertung fertig bekommen, egal wie!" Sie: "Unmöglich,
meine Familie ist mir wichtiger." Auftraggeber: "Das wird Ihnen nichts
helfen. Ihre Auswertung vor einem Jahr war sehr fehlerhaft, und dafür
müssen Sie jetzt büßen." Von Jesus stammt der berühmte
Satz: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."
Dahinter steckt die nüchterne Erkenntnis: Kein Mensch ist vollkommen.
Wenn Sie gelernt haben, selbstsicher zu sein, dann können Sie einen
Fehler zugeben, sich entschuldigen und zusammen mit anderen eine Lösung
erarbeiten. Lassen Sie sich Ihre Fehler nicht wiederholt vorwerfen und
sich zu Strafarbeiten zwingen.
5. Sie haben das Recht, unlogische Entscheidungen
zu treffen
Ihr Ehepartner: "Du solltest deine Arbeit im Kirchenvorstand
aufgeben." Sie: "Nein. Sie ist mir sehr wichtig." Partner: "Ich denke doch
dabei nur an dich. Du regst dich dabei viel zu sehr auf und bist gestreßt."
Ihr Partner argumentiert hilfreich und logisch, aber trotzdem manipuliert
er Sie.
Bleiben Sie bei Ihrem "Nein", und lenken Sie das Gespräch
auf ihre unterschiedlichen Bedürfnisse: Sie argumentieren emotional,
Ihr Partner logisch. Beides ist berechtigt. Auf dieser Grundlage sollten
Sie einen Kompromiß finden.
Ausführliche Übungen und
Dialoge zu diesem Thema enthält das Buch Sage Nein ohne Skrupel
von Manuel J. Smith (mvg Verlag, 14,90 DM, ISBN 3-478-03890-1).
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